Was uns lieb und teuer ist

 

Vervollständigen Sie diesen Satz: Geld... regiert die Welt, spielt keine Rolle, stinkt nicht? Welche Variante wäre Ihre gewesen? Allein die Vielfältigkeit eines kurzen Gedankenspiels zeigt den Einfluss von Wert und Geld im Besonderen auf unser Denken, Handeln und sogar Fühlen. Als sozialer Akt kann es, als Folge seines (Nicht-)Besitzens, Emotionen hervorrufen. Als Wertgegenstand bedingt es einen gesellschaftlichen Status.

„Wert“ ist aber auch eine Eigenschaft, die Ding wie Menschen charakterisieren kann (und als ein, dem Ding nicht inhärentes Charakteristikum, menschengemacht. Allein, dass „Wert“ sich auch auf Lebewesen beziehen kann, zeigt seinen zutiefst menschlichen Wesenszug auf.). Weder eindeutig positiv noch negativ konnotiert, stellt „Wert“ fest – subjektiv wie, nach einstweilig festgelegten Kriterien, objektiv.

Denn Wert ist nicht gleich Wert: Für den Obdachlosen ist die gespendete Münze in seinem Becher subjektiv ein Vermögen. Sie verheißt ein Heißgetränk, ein trockenes Brötchen und vielleicht eine wertvolle Erinnerung an den vorbeieilenden Spender. Objektiv betrachtet ist der Zahl- und Zählwert eben „nur“ 1. Der Materialwert ist verschwindend gering, die Diskrepanz zwischen gefühltem und festgesetztem Wert groß. Letzterer ist es jedoch, der für viele Menschen vor allem wirtschaftlich und gesellschaftlich zählt. Am Diskurs über den Wert der Kunst scheiden sich die Geister: Für die einen ist Kunst reine Kapitalanlage und Status, für die anderen Dekoration. Ohne den emotionalen Wert zu vernachlässigen – der Preis eines Kunstwerks ergibt sich aus vielerlei Kriterien, vor allem aber aus der Bekanntheit des Künstlers. Das Material wird nicht selten zur Nebensache.

Philipp Valenta kehrt den Spieß um: Während sich andere Künstler in seinem Alter teurere Materialien noch vom Munde absparen oder ganz auf sie verzichten, besteht sein Material aus Geld und Wertgegenständen jedweder Form – ganz entgegen dem Credo „Mit Geld spielt man nicht“. Die Strategie ist der Schein: bewahren oder zerstören, erstellen oder erhellen. Oder einfach zerteilen: Valentas Umgang mit seinem Material ist rücksichtslos und doch ummantelt von einer respektvollen Aura. Die gesellschaftlich anerkannte Gewichtung eines Wertgegenstands ist nicht zwangsläufig die seine: Der Aufstand wird geprobt, wo der Groschen fällt. Valenta spielt mit der Expertise und dem Gefühl, die der Betrachter zu haben meint. Der Künstler untersucht dabei nicht selten situativ sein Material auf dessen innerste Konsistenz. Der Frage, wieso etwas Wert hat, wird

mit zermalmender Gründlichkeit nachgegangen. Philipp Valenta schließt sich dabei nicht aus der Betrachterrolle aus: Als Konstrukteur ehrfurchtgebietender Momente kafkaesken Humors bietet er ein künstlerisches Produkt, eine Gedankenfolge an und verfolgt interessiert, wie diese sich infolge der Betrachtung anderer entwickelt oder entblößt. Valentas Materialspektrum sowie die verwendeten Techniken sind dabei mannigfaltig. Material Follows Idea. In den Arbeiten des Künstlers geht es um Alltag, Perspektivverschiebung und ein Abklopfen der künstlerischen, politischen, gesellschaftlichen, wissenschaftlichen und historischen wie materiellen Dimensionen eines Themengebietes.

Kopf oder Zahl. Die janusköpfigen Medaillenseiten von Währung und Wert sind akribische Leidenschaft des jungen Künstlers. Erstaunlich, was das werte Thema so abwirft – und scheinbar unerschöpflich. Philipp Valenta schafft es, die „Eigenschaft Wert“ zu hinterfragen. Scheinbar direkt und nicht selten subversiv zeigt er den Wert des Wertes für Mensch und Gesellschaft auf.

Was lange währt...

 
 

Franziska Harnisch, Künstlerin

 
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