Segnung

Performance/dauerhafte Installation im Rahmen des Projekts „10qm“ 
Segnung der Fläche durch Pfarrer Stefan Klingenberg mit anschließendem 
Einsetzen der Steintafel
Tafel aus Anröchter Dolomit, Schrift sandgestrahlt, gedunkelt mit Natursteinfarbe
2013

Im Rahmen der Platzumgestaltung an der Florastraße entstand eine asphaltierte Fläche, der bis heute seitens der Stadt keine genaue Funktion zugewiesen wurde, sozusagen ein Leerraum, ein Ort, der frei zu sein schien für Ideen und Projekte. 
Stefanie Klingemann entdeckte diesen Ort für sich und initiierte ein Kunstprojekt im öffentlichen Raum, 10m², angelehnt an die Größe der beanspruchten Fläche. 
Auch wenn kein Gebäude errichtet wurde, so ist doch der beanspruchte Raum begrenzt und orientiert sich an einer baulichen Struktur, nämlich der asphaltierten Fläche. Derartige, umgenutzte Orte für freie künstlerische Arbeiten sind, gerade im öffentlichen Raum, heute sehr begrenzt, insbesondere in einem solchen Kontext. Es gilt, diese Antriebe zu unterstützen und mit ihnen auch Aspekte der Stadtplanung offen zu legen, über die sich schmunzeln lässt. 

Dankbar dafür, bei 10m² eine künstlerische Arbeit realisieren zu können und ein solches Projekt zu unterstützen, ihm „den Segen zu geben“, entschloss ich mich, diesen Weg als Projekt weiterzuverfolgen. Die räumliche Nähe zur Kirche St. Hildegard in der Au, deren Eingangsportal in der eher geschlossenen Fassade fast genau auf die Fläche weist, war für mich Ausgangspunkt meiner Überlegungen .Der Segen, eine Geste, die sich durch die Menschheitsgeschichte zieht und nach der es die Menschen oft verlangt, egal in welchem Kontext, soll auch diesem Ort zuteil werden. 

Die Segnung an sich, als liturgische Handlung, stellt für mich nicht die künstlerische Arbeit dar - sie ist rein als liturgische Handlung und selbstständig zu betrachten. 
Das künstlerische Konzept, die Verbindung von liturgischer Handlung und dem künstlerischen Raum, soll die künstlerische Arbeit sein, die in der Grundsteinlegung manifestiert wird. Der Grundstein, als Symbol für den geschaffenen, öffentlichen Kunstraum, soll im Rahmen der Grundsteinlegung neben die Fläche eingelassen werden. Gesegnet werden sollen einerseits die Fläche, stellvertretend aber natürlich auch alle auf ihr weiterhin stattfindenden, künstlerischen Projekte, für die der Grundstein rückwirkend sowie vorausschauend steht. Es geht also hier nicht nur um eine undefinierte Fläche im Stadtgebiet, sondern vor allem um den Sinn, der dieser Fläche gegeben wurde und für was sie nun steht - für einen Freiraum künstlerischer Ideen. 

Ich las, dass Segnungen auch in Begebenheiten funktionieren, religiöse und nicht-religiöse Kontexte zu verbinden. Auch dieser Gedanke erschien mir in einer Welt, in der sich Kirche und Kunst voneinander entfernt haben, aber eine gegenseitige Neugier durch Projekte und große Themenausstellungen zu beobachten ist, bedeutsam. Zusätzlich erscheint es vielleicht sinnvoller, eine Segnung im Rahmen einer Grundsteinlegung durchzuführen, auch wenn kein klassisches „Gebäude“ errichtet wird, sondern weiterhin verschiedene, künstlerische Projekte stattfinden. Der materielle Grundstein ist somit die Basis für ein geistiges Gebäude.

(Auszüge aus dem Gespräch mit Pfarrer Klingenberg zur Erklärung der künstlerischen Arbeit)

 
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