Repräsentation als Objekt und Methode

 

Fame & Fortune – mit zwei weiteren Begriffen vervollständigt Philipp Valenta die Folge von metaphorischen Installationen, mit denen er immer wieder gemeinhin akzeptierte Prinzipien und Standards auf den Prüfstand stellt.

Hatte er in früheren Inszenierungen Phänomene aus der Welt des Kapitals, der Geldwirtschaft und der Ökonomie umschrieben, so richtet er jetzt seinen Blick in vier neuen Arbeiten auf Ruhm, Glück und ihre gesellschaftlichen Erscheinungsformen.

Philipp Valenta arrangiert seine Konzepte immer neu um den Kernbegriff der Repräsentation. Er fragt nach Funktionen und nach der Aussagekraft von Darstellung, sowohl in der eigenen Arbeit, als auch in gesellschaftlichen Phänomenen. Denn der Begriff Repräsentation hat ja mehrere Lesarten: Er bezeichnet die Vergegenwärtigung eines abstrakten Begriffs in einer Verbildlichung, er wird ebenso verwendet im Sinne einer Stellvertretung (z.B. juristisch) und schließlich bedeutet er auch die Selbstdarstellung einer Person oder Gruppe zum Zweck ihrer Identitätsdefinition und der Manifestation ihres sozialen Rangs. In diesem Sinne verweist die Installation „Peanuts“ symbolisch auf die im Jahr 1994 als Unwort des Jahres gerügte Bewertung von unbezahlten Handwerkerrechnungen in Höhe von 50 Mio. DM durch den damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Bank. Zugleich lenkt sie den Blick auf signifikante Verhaltensmuster von Repräsentanten des öffentlichen Lebens – in diesem Fall auf Gebaren und Wortwahl eines prominenten Bankers – sowie auf großspurige Überheblichkeit als selbstsichere Repräsentation von Status und gesellschaftlicher Attraktivität sowohl der vertretenen Institution als auch des machtbewussten Top-Managers.

Erfolg, Ruhm und Einfluss sind sowohl Anlass wie auch Funktion öffentlicher Selbstdarstellung und der rote Teppich ist ihre Bühne. Mit der Performance „Red Carpet“ brachte Philipp Valenta das Ritual medienwirksamen Schaulaufens in die Ausstellung und inszenierte damit eine Reflexion über Publicity, Starkult und Medienhype. Aber auch eine Formel der Würde ist der rote Teppich, Symbol der Ehrbezeugung und Wertschätzung ebenso wie die fünf Blumensträuße in der Installation „Counting Minutes Of Fame“. Sie repräsentieren das Zeremoniell von Auszeichnungen und Preisverleihungen und gleichzeitig den Zweifel an der Beständigkeit öffentlichen Ruhms.

Erfolg wird in der Öffentlichkeit nicht zuletzt auch am demonstrativen Konsum von Luxusgütern gemessen. Für die Fassadenhaftigkeit und Doppeldeutigkeit solcher Statussymbole hat Philipp Valenta mit den „Champagne-Tinges“, in Discounter- Champagner getränkten Leinwänden, die in diesem Bad die Tönung schmutziger Bettwäsche angenommen haben, eine anschauliche Metapher gefunden, die keiner weiteren Erklärung bedarf.

Dabei tritt Philipp Valenta dem Betrachter allerdings nie mit erhobenem Zeigefinger entgegen. Vor der Attitüde moralischer Belehrung bewahren ihn Originalität im sinnbildlichen Denken, gestalterische Disziplin und Konzentration der Mittel – sowie nicht zuletzt ein gehöriges Maß Ironie.

 
 

Dr. Angelika Steinmetz-Oppelland, Kunsthistorikerin und Kuratorin

 
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