Reise Reise im Leben

Temporäre Wandinstallation
Ehem. Hauptbahnhof Bochum (Katholikentagsbahnhof)
Kooperation mit Maren Sendrowski
2010

Unzählige Autoren haben in Aphorismen das Leben mit einer Reise verglichen; Philosophen haben es Ihnen in einer Vielzahl von Debatten gleich getan.
„Reise reise“, stammt vom niederdeutschen „risan“ und bedeutet „sich erheben, aufstehen“. Im Mittelalter als Schlachtruf benutzt, um in den Kampf zu ziehen, wird es heute noch als Weckruf in der Marine verwendet, damit sich die Matrosen von Ihren Betten erheben und aufstehen.

Ein Bahnhof ist seit jeher ein Ort der Reise, des Verreisens gewesen - aber auch ein Ort des Ankommens, des Wiedersehens, der Rückkehr.

Bahnhöfe sind Nichtorte - sie sind Orte des Wandels, man hält sich in Ihnen nicht lange auf, solange sie ihre eigentliche Funktion beibehalten.
Der alte Bochumer Hauptbahnhof, aufgrund seines Baujahrs 1949 zum ersten deutschen Katholikentag auch „Katholikentagsbahnhof“ genannt, hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Diese lässt sich an den außen liegenden Lettern ablesen: zuerst „Hauptbahnhof, Eingang Nord“, dann „Bundesbahnschule“, dann zunehmender Verfall, bis nur noch zwei Buchstaben übrig blieben.

In Anlehnung an den Sinnspruch „Das Leben, eine Reise“ wird der Außenfassade unter Einbeziehung der beiden noch vorhandenen Buchstaben neuer Sinn verliehen. Reise Reise im Leben - eine Aufforderung, die Welt im Leben zu sehen und sich an ihr zu bereichern; gleichwohl aber auch die Aufforderung, aufzustehen, für sich einzustehen und für seine Ansichten zu kämpfen.
Die Buchstaben aus Pappmaché werden im Laufe der Zeit vergehen und zollen ihren Tribut einem alten Hauptbahnhof, einem Ort des Transits, des Wandels und der Wiederkehr zu bekannten Strukturen.

 
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