Philipp Valenta - Ein Geldkünstler

 

„Geld oder Leben“ war der Titel einer Ausstellung, die vom 19. März bis zum 24. April 2011 in der Dada Post in Berlin stattfand. Philipp Valenta war dort mit der Arbeit „Das Kunstkartell“ (in Kooperation mit Cosima Göpfert) vertreten. Dahinter stand die Idee, Interessenten live am Kunstgeschehen und am Kunstschaffen der Inhaber des Kartells gegen Bezahlung teilhaben zu lassen. Durch diese Aktion wird unmittelbar auf den heutigen Kunstmarkt Bezug genommen. Es geht nur noch um die Wertsteigerung!

Philipp Valenta gehört zu den Künstlern, die sich mit inhaltlichen Fragen auseinandersetzen. Er verspricht keine Wertsteigerung, verschafft einem dafür aber schlaflose Nächte, weil seine Arbeiten auf wirtschaftliche und soziale Missstände in unserer Gesellschaft hinweisen. Zudem wird die Aufmerksamkeit auf kulturelle und historische Aspekte gelenkt. Philipp Valentas Arbeiten sind somit eher nicht dafür geeignet, das Wohnzimmer, das Esszimmer oder gar das Schlafzimmer zu gestalten. Die Arbeiten sollten vielmehr in Schulen, öffentlichen Räumen und in Museen gezeigt werden. Das sind die Orte, an die sie gehören.

Was hat Philipp Valenta gemacht? Er hat Geld gewaschen, Geld gezählt, mit Geld gespielt und sich von den Besuchern einer Kunstmesse Geld zahlen lassen, um damit den für das Studium aufgenommenen Kredit abzahlen zu können. In der Sammlung Haupt befinden sich zwei Arbeiten von Philipp Valenta. Dazu gehört u. a. das Video mit dem Titel „606,24“. Man sieht, wie Philipp Valenta bedeutungsschwer mit je einem Sack Geld in der Hand einen Raum betritt, die Münzen auf den Schreibtisch schüttet und dann mit dem Stapeln der Münzen beginnt. Nach gut zwei Stunden werden die sorgfältig gestapelten Münzen (nun in Papier gewickelt) wieder in den beiden Säcken verstaut und der Künstler verlässt den Raum.

Seine monotonen Bewegungen des Stapelns der Münzen strahlen buddhistische Weisheit, Ruhe und Gelassenheit aus. Das Video eignet sich hervorragend, um es sich nach einem anstrengenden Arbeitstag anzuschauen. Man fragt sich, warum die auf acht Exemplare limitierte Auflage nur in Galerien und nicht auch in Geschäften und Versandhäusern, die mit Esoterik-Bedarf handeln, angeboten wird. Die Erklärung ist möglicherweise ganz einfach! Die Gefahr, dass im Laufe der Zeit die Suizid-Rate drastisch ansteigt, ist sehr hoch. Philipp Valenta macht dem Zuschauer deutlich, dass das Arbeiten für Geld eine ziemlich sinnlose Angelegenheit ist. Geld, das in Sparbüchsen, Schatullen, Säcken oder auf Bankkonten aufbewahrt wird, verdeutlicht das am besten.

Geld ist nichts wert!

Geld war früher einmal durch den in den Münzen steckenden Gold- bzw. Silber-Anteil ein Wertspeicher (Wertbewahrungsmittel), eine Maßeinheit (Wertmaßstab und Recheneinheit z. B. zur Bestimmung der Kaufkraft) und Zahlungs- bzw. Tauschmittel. Die Funktion des Wertspeichers hat das Papiergeld spätestens Anfang der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts verloren, als Nixon die Goldbindung des Dollars aufkündigte. Das war notwendig geworden, weil Nixon Geld brauchte, um den Vietnamkrieg weiter finanzieren zu können, aber nicht den entsprechenden Gegenwert in Gold besaß.

Münzen waren zum Zeitpunkt ihrer Entstehung zwischen 650 - 600 v. Chr. das erste Kommunikationsmittel. Jeder Mensch konnte ihm entnehmen, wie der neue Kaiser aussah, nachdem, nach der Krönung, die neuen Münzen mit seinem Abbild geprägt worden waren. Mit der
Herausgabe neuer Münzen ging oft eine Entwertung, d. h. Inflation, einher, da der Gold- bzw. Silberanteil reduziert worden war.

Bis zur Euro-Umstellung am 01.01.2002 war Geld ein Ausdruck nationaler Identität. Insbesondere auf den Geldscheinen wurden die großen Denker der Nationen abgebildet, wie z. B. die Gebrüder Grimm (1000-DM-Schein), Johann Wolfgang von Goethe (20 Mark der DDR), Alessandro Volta (10.000 Lira) oder Antoine de Saint- Exupéry (50 France). Auf den alten und neuen Euro-Scheinen sind nur noch Bauwerke und Brücken, die nie errichtet wurden, abgebildet. Lediglich bei den Euro-Münzen besteht für die Mitgliedsstaaten der EU noch die Möglichkeit, nationale bzw. landestypische Elemente in die Gestaltung einfließen zu lassen. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum immer noch Münzen in den Numismatikern eine große Fangemeinde haben.

Die Griechenland- und die Flüchtlingskrise haben deutlich gezeigt, dass eine
die regionalen bzw. nationalen Besonderheiten missachtende Union nicht den
Bedürfnissen der Menschen entspricht.
Die Herstellung des europäischen Binnenmarkts und die geplante Erweiterung durch das TTIP-Freihandelsabkommen nutzen nur global agierenden Konzernen. Bauern werden dafür bezahlt, dass sie
ihre Felder brachliegen lassen und zahlreiche karibische Staaten haben die Möglichkeit verloren, ihre Bananen nach Europa zu verkaufen, weil sie nicht mehr den EU-Normen entsprechen.

Der Handel mit Geld bzw. wertlosen Anleihen hat 2008 zu einer der größten Krisen der Weltwirtschaft geführt. Es wurde mit fremdem Geld gespielt. Eine Arbeit von Philipp Valenta trägt den Titel „Mit Geld spielt man nicht“ (und schon gar nicht mit fremdem). Dabei handelt es sich um ein Tangramspiel. Man kann geometrische Figuren zu einem Quadrat zusammenfügen, das dann die Hälfte eines 5-Euro-Scheines zeigt. Parallel dazu besteht die Möglichkeit, Figuren seiner Wahl entstehen zu lassen. Diese Binsenweisheit unserer Großeltern ist spätestens seit dem Zusammenbruch von Lehman-Brothers für jedermann deutlich geworden.

Aus diesem Grund ist auch das Bestreben der Schweden, das Bargeld abzuschaffen und nur noch zu einer Verrechnungseinheit zu machen, zeitgemäß. Geld hat, wie so vieles andere, seinen ursprünglichen Wert und damit auch seine Bedeutung verloren.

Philipp Valenta erinnert uns mit seinen Arbeiten sehr deutlich daran.

 
 

Dr. Stefan Haupt, Rechtsanwalt und Sammler, Berlin

 
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