In Templum
 

Ortsbezogene Rauminstallation
Absperrbänder aus indischer roter und weißer Dupionseide, Garn
Gesamtlänge ca. 12 m
Ausstellungsansicht St. Coloman, Regensburg-Harting
Projekt Da-Sein in Kunst und Kirche
2016

 
 

Philipp Valenta stellt Selbst-verständlichkeiten in Frage. Eine rot-weiß gestreifte Stoffbahn versperrt bekannte Zugänge und öffnet den Gedanken neue Wege.

Aus roter und weißer indischer Dupionseide hat er mit der Hand ein Absperrband genäht. Das wertvolle Material irritiert. Es ist nicht die vertraute bedruckte Kunststoffflatterleine, die an Baustellen warnt. Der feine Stoff markiert einen heiligen Bezirk, lateinisch fānum. Ein profanes Symbol unserer Alltagswelt, ein Zeichen zur Risikominimierung, wird überhöht zum sakralen Richtungsweiser.

„In Templum“ nennt Philipp Valenta seine Arbeit. Templum, das war in der Antike der am Himmel und auf der Erde beschriebene Raum, in dem der Vogelflug beobachtet werden konnte. Der Augur sollte aus dem Flug ergründen, ob ein geplantes Unternehmen den Göttern genehm sei. Später stand „templum“ für das abgegrenzte Feld, das einer Gottheit geweiht wurde, schließlich für das hier errichtete heilige Haus mit dem Kultbild der Gottheit. Der Tempel als Ort der Gottesverehrung und ritueller Handlungen war ein exklusiver Raum.

Das Kirchenportal trennt ebenso bewusst das Weltliche vom Heiligen, öffnet dabei jedoch den Raum für das Suchen und Ankommen. Nun aber zieht sich ein Absperrband durch den Kirchenraum, umschlingt den Ambo, versperrt scheinbar willkürlich einen Platz in der ersten Reihe. Nur ein schmaler Durchgang öffnet sich zum Ort der Eucharistiefeier. Dazugehören und ausgeschlossen sein werden neu definiert.

Jeder steht für sich im Raum möglicher Erkenntnis. Das Absperrband grenzt als bekannte Chiffre zunächst ab und damit aus. „Der Ausschluss ist ein sehr diverses Geschäft. Er reicht von purer Schutzfunktion bis hin zur Willkür gesellschaftlicher Prinzipien“, sagt der Künstler. „Die Doppelbödigkeit der Exklusivität, des Ausschlusses, erscheint vielen eher ein Segen denn ein Fluch zu sein – bis man auf der anderen Seite des Bandes steht, das einem den Zutritt verwehrt.“

Ein rot-weißes Band, luxuriös aus Seide gewebt, zieht Grenzen. Fast gerät aus dem Blick, dass ein Band vor allem eine Funktion hat – es kann verbinden. Am Marienaltar hält ein Engel das eine Ende fest in seiner Hand…

Dr. Maria Baumann (Leitung Kunstsammlungen des Bistums Regensburg)

 
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