Dahlienwasser

Objekt
Kristallphiole, Dahlienwasser
2012

Rosen, ein Symbol für Liebe, Lust und Kostbarkeit, waren seit jeher von besonderem Interesse für die Gärten des Adels und auch der Klöster - boten sie doch sowohl den Duft als auch eine heilende Wirkung. Rosenwasser oder die weitaus kostbareren Rosenöle wurden einerseits zur Kühlung von Patienten, andererseits pur oder in Parfümen als Düfte verwendet.

Auch wenn in Belvedere ein Rosengarten seit der Klassik existiert, hat dort eine andere Pflanze die längere Tradition - die Dahlie.
Für die Überwinterung muss die empfindliche Knolle jedes Jahr ausgegraben werden — dafür entlohnt sie mit einer opulenten Blütenpracht, die der der Rosen in nichts nachsteht.

Für das hier gezeigt Dahlienwasser wurden in tagelanger Arbeit Dahlienblüten gezupft und nach alter Manier in gewärmtem und anschließend kühl und dunkel gelagertem Wasser eingelegt, um den Geruch zu binden - eine erfrischende Kostbarkeit, die nur wenige Tage haltbar ist.

Interessant hierbei ist: Dahlien entwickeln keinen Duft.
Das mühevoll hergestellte Dahlienwasser ist absolut geruchslos, suggeriert jedoch mit der Erzählung des Herstellungsprozesses dennoch einen Duft, der von Besuchern registriert wird.
Als durch und durch sinnloses Produkt versprüht das Wasser den Glanz seiner Herstellung, der sich im passend gewählten Flakon noch schillernd bricht.
Mehr Schein als Sein — doch hier wird ein Prozess klar:
Mit ausreichender Inszenierung wird das Nichts hinter dem Schein vielleicht tatsächlich zum Sein. Der Weg von Macht und Einfluss.

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